Ein Interview mit Wolfgang Streeck von Michael Hesse, Frankfurter Rundschau, 23. Januar 2026
Der Soziologe Wolfgang Streeck über Amerikas Gewaltpotenzial, die europäische Ohnmacht und den Zerfall
der alten Ordnung.
Herr Streeck, Trump hatte in seiner ersten Präsidentschaft verkündet, sich vor allem um die Amerikaner kümmern zu wollen. Erleben wir nun gerade eine Art Neo-Imperialismus der USA?
MAGA (Make America Great Again), Trumps Programm, hatte immer zwei Seiten: Repariere die kaputte amerikanische Gesellschaft oder restauriere die Weltherrschaft der USA. Welche Seite gemeint war, blieb immer offen und ist es heute noch. Einmal Isolationismus, ein andermal Interventionismus, zurzeit gerne auch beides abwechselnd oder zugleich. Eine Mischung besonderer Art ist übrigens Trumps „Donroe Doktrin“: Interventionismus beschränkt auf Mittel- und Südamerika; an sich nichts Neues. Global gesehen liefe das heute auf eine Aufteilung der Welt in gegenseitig respektierte regionale „Einflusszonen“ hinaus, in denen jeweils eine Großmacht mehr oder weniger nach Belieben schaltet und waltet. Nicht in dieses Bild passen beispielsweise die bedingungslose Unterstützung Israels in seinem Vernichtungskrieg in Gaza und der Westbank und die Drohungen, den Iran zu bombardieren (…)
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English version:
American Violence
In: New Left Review, January 28, 2026.
During his first term as president, Trump vowed to focus primarily on the American people. Are we now, by contrast, witnessing a kind of US neo-imperialism?
Trump’s programme to Make America Great Again always had these two sides: repair America’s broken society or restore US world domination. Which of these was dominant remained open and is still so today. Sometimes we have isolationism, sometimes interventionism; currently both alternately or even simultaneously. Trump’s ‘Donroe Doctrine’ is a particular version of this mixture: interventionism, but limited to Central and South America; nothing new in itself. Globally, this would amount to a division of the world into mutually respected regional ‘spheres of influence’ in which a major power more or less rules as it pleases. What does not fit into this picture is the unconditional support for Israel in its war of annihilation in Gaza and the West Bank, nor the threats to bomb Iran (…)
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